Stringendo · I. Texte
Zum Punkt kommen: Texte kürzen, ohne Inhalt zu verlieren
Aktualisiert am 24. September 20263 Min. Lesezeit
Die meisten Texte werden besser, wenn sie um ein Viertel kürzer werden. Das Kürzen ist Handwerk, kein Talent – und es beginnt nicht beim einzelnen Wort, sondern bei der Reihenfolge.
T. 1Das Wichtigste nach vorn
Nachrichtenredaktionen arbeiten seit langem mit der umgekehrten Pyramide: Die Kernaussage steht im ersten Satz, danach folgen Einzelheiten in absteigender Wichtigkeit. Ein so gebauter Text lässt sich von hinten kürzen, ohne dass etwas Wesentliches verloren geht. Und wer nur den Anfang liest, hat trotzdem das Wichtigste erfahren.
Für Webtexte ist das Prinzip fast immer richtig. Die typische Schulaufsatz-Struktur – Einleitung, Hauptteil, Schluss mit Ergebnis – verlangt vom Leser Geduld, die er am Bildschirm selten aufbringt. Probieren Sie es aus: Kopieren Sie den letzten Absatz Ihres Textes an den Anfang. Oft ist das bereits die bessere Fassung.
T. 2Doppelte Einleitungen streichen
Viele Entwürfe haben zwei Einleitungen: eine allgemeine („In der heutigen Zeit spielt das Internet eine immer wichtigere Rolle“) und eine eigentliche. Die erste kann fast immer weg. Dasselbe gilt für Sätze, die nur ankündigen, was gleich kommt: „Im Folgenden möchten wir Ihnen erklären, wie …“ – dann erklären Sie es einfach.
T. 3Substantive zurück in Verben verwandeln
Behördendeutsch entsteht, wenn Handlungen in Substantive verpackt werden. Daraus werden lange, schwerfällige Sätze, in denen niemand etwas tut.
| Vorher | Nachher |
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T. 4Füllwörter und Verstärker
Wörter wie „eigentlich“, „durchaus“, „grundsätzlich“, „sehr“, „wirklich“, „absolut“ schwächen Sätze eher, als dass sie sie stärken. Nicht jedes muss verschwinden – gesprochene Sprache braucht etwas Luft –, aber ein Suchlauf nach diesen Wörtern im eigenen Entwurf ist lehrreich. Ähnliches gilt für doppelte Ausdrücke: „bereits schon“, „neu renoviert“, „zusammen kooperieren“.
T. 5Ein Gedanke pro Satz
Lange Sätze sind nicht per se schlecht, aber Sätze mit mehreren Gedanken sind es fast immer. Wenn ein Satz zwei „und“ und einen Nebensatz mit „wobei“ enthält, lohnt es sich, ihn zu teilen. Das Deutsche erlaubt verschachtelte Konstruktionen, bei denen das entscheidende Verb erst am Ende kommt – am Bildschirm verliert der Leser dabei leicht den Faden.
T. 6Beispiele statt Behauptungen
Kürzen heißt nicht, alles Konkrete zu streichen. Im Gegenteil: Ein Beispiel ersetzt oft drei abstrakte Sätze. „Unsere Software ist einfach zu bedienen“ ist eine Behauptung. „Die erste Rechnung ist nach vier Klicks verschickt“ ist ein Beleg – und kürzer als die Erklärung, warum die Software einfach sei.
T. 7Wann kürzer nicht besser ist
Es gibt Texte, die durch Kürzen schlechter werden: Anleitungen, in denen ein Schritt fehlt; Erklärungen, die Vorwissen voraussetzen, das der Leser nicht hat. Das Ziel ist nicht die kleinste Wortzahl, sondern kein überflüssiges Wort. Wie sich Kürzen in den gesamten Überarbeitungsprozess einfügt, beschreibt der Beitrag Redigieren, Lektorieren, Korrigieren; grundlegende Regeln für den Bildschirm stehen im Beitrag Webtexte.
Das Prinzip der umgekehrten Pyramide erklärt die Wikipedia ausführlicher im Artikel Umgekehrte Pyramide.