Zum Inhalt springen
webtissimoffHandwerk fürs Web

Tranquillo · I. Texte

Ein Briefing schreiben, mit dem Autoren arbeiten können

Aktualisiert am 24. September 20263 Min. Lesezeit

Ein schwacher Text ist oft die Antwort auf eine schwache Frage. Das Briefing ist die Frage – und fünf gut überlegte Absätze darin ersparen später drei Korrekturschleifen.

Briefing1Ziel2Leser3Inhalt4Umfang & Form5Ton6Ablauf
Die sechs Felder eines Briefings auf einer Seite.

T. 1Wozu überhaupt ein Briefing?

Wer einen Text in Auftrag gibt – an eine freie Autorin, eine Agentur oder den Kollegen aus dem Marketing –, hat ein Bild im Kopf. Der Schreibende hat es nicht. Das Briefing überträgt dieses Bild so weit, dass der Entwurf in die richtige Richtung geht. Es muss nicht lang sein. Eine Seite reicht fast immer, wenn sie die richtigen Fragen beantwortet.

Auch wer selbst schreibt, profitiert von einem kurzen Briefing an sich selbst. Es zwingt dazu, vor dem Schreiben zu entscheiden, was der Text leisten soll.

T. 2Die sechs Felder

Ziel
Was soll der Leser nach der Lektüre wissen, fühlen oder tun? Ein Satz. Wenn es drei Ziele sind, sind es vermutlich drei Texte.
Leser
Wer liest das, mit welchem Vorwissen, in welcher Situation? Ein Beispiel aus der Wirklichkeit hilft mehr als eine Zielgruppenbeschreibung aus Adjektiven.
Inhalt
Welche Punkte müssen vorkommen, welche auf keinen Fall? Gibt es Fakten, Zahlen, Produktnamen, die stimmen müssen?
Umfang und Form
Ungefähre Länge, Überschriftenstruktur, ob Tabellen, Listen oder Bilder gewünscht sind, wo der Text erscheint.
Ton
Sie oder du, sachlich oder locker, Fachsprache ja oder nein. Ein Link auf einen vorhandenen Text im gewünschten Ton ersetzt lange Beschreibungen.
Ablauf
Abgabetermin, Format, Ansprechpartner für Rückfragen, Anzahl der Korrekturrunden, wer freigibt.

T. 3Was häufig fehlt

In der Praxis fehlen selten die großen Punkte, sondern die kleinen, die später Arbeit machen: die korrekte Schreibweise eines Firmennamens, ein Wort, das intern nicht verwendet wird, ein Konkurrent, der nicht erwähnt werden soll. Ebenso oft fehlt die Information, wer den Text freigibt. Wenn nach der Abgabe plötzlich die Geschäftsführung eigene Vorstellungen einbringt, beginnt die Arbeit von vorn.

T. 4Material mitgeben

Gute Autoren recherchieren selbst, aber manches Wissen gibt es nur im Haus: interne Zahlen, typische Kundenfragen, Einwände aus dem Vertrieb. Dieses Material ins Briefing zu legen, spart Zeit und macht den Text besser. Umgekehrt sollte klar sein, welche Quellen der Autor verwenden darf und ob Zitate oder Angaben von Kunden freigegeben sind.

T. 5Rückfragen einplanen

Ein Briefing ist kein Vertrag, der jede Frage vorwegnimmt. Nach dem Lesen tauchen fast immer Rückfragen auf. Wer ein kurzes Gespräch nach Eingang des Briefings einplant, bekommt bessere Entwürfe als jemand, der auf das perfekte Dokument hofft.

T. 6Nach der Abgabe

Das Feedback auf den Entwurf sollte sich am Briefing orientieren. Erfüllt der Text das Ziel? Trifft er den Leser? Anmerkungen wie „gefällt mir nicht“ helfen nicht weiter; „der zweite Abschnitt setzt zu viel Wissen voraus“ schon. Was dann mit dem Text geschieht – redigieren, lektorieren, korrigieren –, erklärt der Beitrag Redigieren, Lektorieren, Korrigieren.

Für längere Formate wie Fachpublikationen lohnt ein ausführlicheres Briefing; wie ein solches Dokument aufgebaut ist, zeigt der Beitrag Aufbau eines White Papers.

Passt dazu