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Wenn das Hotelzimmer an eine Telefonzelle erinnert

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Mein HotelzimmerAn sich mag ich ja Hotels, ob geschäftlich oder privat genutzt. Dass ein gemietetes Domizil aber nicht vor Annehmlichkeiten strotzen muss lehrt mich dieses.

Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich gerade in Nürnberg weile, aber den Namen meines Hotels verrate ich erst, wenn ich wieder in sicherer Entfernung bin. Aus dem einzigen freien Zimmer hier rauszufliegen wäre vielleicht doch noch etwas unangenehmer, als es ohnehin schon ist.

Der Name und die Bilder im Internet versprachen mir eigentlich ein gemütliches Ambiente und ließen auf Komfort hoffen, doch es kam anders. Es war ja nicht besonders schlimm, dass der Portier (und Raumausstatter, Künstler und Besitzer des Hotels) auf keine meiner Fragen richtig einging, die ich ihm beim Checkin stellte. Schließlich bemerkte selbst ich, dass dieser Mann wohl nahe der Taubheit weilt. Dass er aber versuchte mich auf ein “Economy” Zimmer psychisch und moralisch vorzubereiten gefiel mir schon wesentlich weniger. Und er versprach nicht zu wenig.

Ich öffnete die Zimmertür und … – stand vor einer Wand. Mein Blick schweifte nach unten wo ich ein kleines Bett zwischen meinen Füßen und besagter Wand entdeckte. Ich hätte sicher einen ärgerlich, hitzig roten Kopf bekommen, wenn es nicht derart kühl in dieser Legebatterie gewesen wäre. Also erst einmal die Heizung volle Pulle aufgedreht, was leider die ganze liebe lange Nacht keine Wirkung zeigte. Und, trust me, Nächte könnnen wirklich lang sein, wenn man frierend in der Koje liegt und kein Auge zu bekommt weil einen das eigene Zähneklappern am Einschlafen hindert.

Für einen besseren Schlaf sorgte leider auch die erst verschmähte, dann doch für nötig erachtete Einnahme des Begrüßungstrunks nicht. Das Viertele australischer Rotwein schmeckte nicht einmal besonders, was mich aber auch nicht sehr überraschte. Ich habe schließlich bisher in keinem Gourmet Restaurant einen deliziösen “Australier” angeboten bekommen. Auch der Versuch, mich mit langweiligen Fernsehsendungen von der Kälte abzulenken scheiterte kläglich. Der Fernseher war kaputt. Muss sich wohl mit der Heizung abgesprochen haben. Gegen drei Uhr siegte dann doch endlich die Müdigkeit über die Kälte und so schlummerte ich friedlich ein.

Am nächsten Morgen riß mich kein Weckruf aus den Federn, was auch gar nicht möglich gewesen wäre. Denn ohne Telefon kein Weckruf. Nun gut, so weckte mich eben das Handy. Den Moment, als ich die Tür zum Badezimmer öffnete werde ich so schnell auch nicht vergessen. Die Tür schlug an der Duschwanne an und ich fand mich in einem Raum wieder, der kleiner war als der Kleiderschrank. Doch diese Gegebenheit hatte auch einen gewissen Charme. So konnte ich bei der Verrichtung eines dringenden Geschäftes gleichzeitig die Bartstoppeln aus dem Gesicht fräsen, denn Waschbecken und Spiegel waren direkt vor mir. Eine Überraschung der weniger angenehmen Art war allerdings die Brüh- und Frier Dusche. Nach läppischen zehn Minuten gelang es mir ein Mittelmaß zwischen 5 und 50 Grad Celsius Wassertemperatur hinzubekommen. Wechselduschen soll ja gesund sein, aber doch nicht so früh am Morgen!

Das Frühstück entschädigte dann doch etwas für die Geschehnisse und mittlerweile kann ich wenigstens Web Radio hören. Den üblichen WLAN Preisen in Nürnberg hat sich der Besitzer glücklicher Weise nicht angeschlossen. So war eine 24 Stunden Flat doch erschwinglich.

Die Freude auf Zuhause ist aber trotzdem ein Lichtblick, der das nächste Wochenende in einem neuen Glanz erstrahlen lässt. Home, sweet home – man freut sich wieder…

Nachtrag: Dass am letzten Tag der Strom im Zimmer ausfiel, ich deshalb im Dunkeln packen konnte und der Hotelier mit jedem abreisendem Gast (und wirklich jedem) noch einmal um den Preis feilschte, war das Ende der Geschichte. Frei nach dem Motto: “Ade und beehren Sie uns nicht wieder.”

Ein Kommentar

  1. Sehr amüsant zu lesen – trotzdem: tust mir leid ;-)

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